Kairo findet kei’ Ruh’

Gastbeitrag von Rainer-Rose Mondland

Transrapid

Jetzt ist Mubarak am Zug.

„Der Pharao wird erst dann in Amuns Sonnenbarke steigen, wenn der Ibis den Pfad des Mondes gegangen ist und Horus den Fluss nicht hat steigen lassen.“ sagt ein altes ägyptisches Sprichwort, und es bewahrheitet sich auch heute wieder. Horus ist diesmal die Weltmacht USA, stets mit wachem Auge über die Weltordnung wachend, mit Adleraugen auch und gerade über den Pyramiden, frei nach Maurerlogik. Ist aber der Pharao, Hosni Mubarak, dem kulturellen Erbe seiner Heimat gewachsen? Seinerzeit haben die Sklaven ein Bild gegeben wie wir es heute in den Nachrichten und geleakten Handyfilmchen auf YouTube vermissen: Zu Großem veranlagt, doch klein im Einzelnen, stattdessen sehen wir heute den aufgeklärten Muslimbrotha auf der Brücke stehen, mit Knüppel für das Individuum kämpfend. Der ägyptische Präsident hingegen gibt sich mumienhaft, eingehüllt in seinem Sarkophag, doch eben nicht sakrosankt. Wie Klopapier wird ihm nach und nach Schicht um Schicht abgewickelt, bald steht er nackt da, der Kaiser, und niemand wird mehr vorgeben, seine Kleider zu sehen. Er ist kein Franz Beckenbauer, so viel steht schon seit Langem fest.

Ägypten im 15. Jahrhundert

Nur wenige iPhone-Inhaber protestierten gegen die Abschaltung der Handy-Netze durch Tutanchamun.

Die USA bleiben dabei auf der Seite des Ibis, zögern ob eine Flut jetzt hilfreich ist. Es ist schon alles im Fluss, panta rhei, mehr Wasser auf die Mühlen der Demokratie kann so manche Achse zu Bruch bringen, nicht nur die Achse des Bösen. Doch Obama muss dem Ibis jetzt auch den Weg zeigen, Demokratie ist nicht bloß eine Gute-Nacht-Geschichte, es gehört mehr dazu als ein paar warme Worte von Neger zu Neger. Seine Anhängsel stehen derweil weiterhin im Schatten, das rote Licht der Brandsätze meiden sie ebenso wie deren schwarzen Rauch. Anarchie hat bisher noch keine ihnen günstige Herrschaft hervorgebracht, und mit Schwarz-Weiß-Rot haben nicht zuletzt wir unsere ganz eigenen Erfahrungen machen müssen.

Aber Ägypten ist auch das Land des Zements, und hier müssen wir ansetzen, und aufsetzen, auf das verbindende Element, den Kleber in allen Beziehungen. Die Sonnenbarke hat noch nicht abgelegt, und ein Blick genügt, um das neue Ufer zu sehen. Hier wird nur für die Ewigkeit gebaut, die Pyramiden sind bestes Zeugnis.

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3 Kommentare zu Kairo findet kei’ Ruh’

  1. I am attracted to myths.

  2. Advoclods sagt:

    Success is a journey, not a destination. The doing is often more important than the outcome.

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